Page 10 - Im Dialog
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Selbstversuch EMS-Training
Was ist dran am neuen Fitness-Trend?
Wer ohne großen Zeitaufwand fit werden oder bleiben und seine Muskeln für einen straffen Körper trainieren möchte, der trainiert EMS. Wir wollten wissen, was dran ist an diesem Trend. Wie es sich trainieren lässt mit einer mit Elektroden versehenen Funktions- weste unter Anleitung eines Personal Trainers? Heike Vesen, Leiterin des Veranstaltungs- managements im Hause SDMED, hat es in einem Test-Training ausprobiert.
Die Werbung „fit in 20 Minuten“ klingt verlockend. Und gesehen hatte sie ja schon eines jener EMS-Body Stu- dios, die es jetzt an jeder Ecke zu geben scheint. Durch die Fenster sieht man ganz in schwarz und mit einer Wes- te verkabelte Trainingswillige, die den Anweisungen eines Personal Trainers folgen.
Im ersten Moment war Heike Vesen, die in ihrer Freizeit regelmäßig joggt und Yoga macht, schon etwas skeptisch. Aber nach kurzer Überlegung fand sie Gefallen an der Idee, den Trend EMS einmal zu testen. Bevor wir zu ihrem Selbstversuch kommen, noch kurz er- klärt, wie EMS wirkt.
Im Prinzip ahmt die elektrische Mus- kelstimulation (EMS) die körpereige- nen motorischen Muskelimpulse nach. Jede willkürliche körperliche Bewegung kommt dadurch zustande, dass das Ge- hirn bioelektrische Impulse über das Rückenmark an die motorischen Ner-
ven sendet und die wiederum Impulse an die Muskelzellen mit dem „Befehl“ zur Anspannung (Muskelkontraktion) schicken.
Bei dem EMS-Ganzkörpertraining werden die Muskelkontraktionen nicht vom Gehirn, sondern von den Elektro- den ausgelöst. Die Elektrostimulation wirkt wie der körpereigene Mechanis- mus – nur eben viel intensiver.
Das Probetraining findet in einer physiotherapeutischen Praxis in Düs- seldorf statt. Nicht nur Body-Studios bieten EMS als neue Trainingsform, auch physiotherapeutische Praxen entde- cken es mehr und mehr zum gezielten Muskelaufbau etwa nach Sportverlet- zungen.
Ralf Stumm stellt sich als Physio- therapeut kurz vor, erklärt den Ablauf und schon geht es los. Zuerst heißt es umziehen. Ein Shirt und eine Leggings aus Baumwolle sorgen dafür, dass die elektrischen Impulse gut fließen, und dann wird sie angelegt, die Weste mit den Elektroden. Schließlich werden die Weste und das Steuerungsgerät mitei- nander verbunden und Ralf gibt erste Anweisungen für statische Übungen wie Kniebeuge und Liegestütz. Trai- niert wird in kurzen Intervallen. Jene Muskelpartien, die stimuliert werden,
sind so gut es geht für vier Sekunden anzuspannen, gleichzeitig werden sie „unter Strom gesetzt“, dann folgen zwei Sekunden Pause. Nach zwei bis vier Wiederholungen geht es mit der nächsten Muskelpartie weiter. In 15 – 20 Minuten sind sämtliche Muskelpartien vom Nacken bis zu den Füßen stimuliert und trainiert. An dem Steuerungsgerät lassen sich Stärke und Intensität der elektrischen Impulse steuern.
PRIVAT
  Bei Heike Vesen lag der Schwerpunkt des Trainings im Bereich des Nackens. Ralf hatte im Vorfeld gefragt, ob es ir- gendwelche Handicaps gäbe oder ob ein Bereich besonders trainiert werden sol- le. „Im Nackenbereich haben die meis- ten Menschen, die viel am Schreibtisch sitzen, Probleme“, erklärt der Physiothe- rapeut und empfiehlt „Verspannungen in diesem Bereich durch eine Kräftigung der Nacken- und Schultermuskeln ent- gegenzuwirken“. EMS bietet hier eine gute Möglichkeit, sehr gezielt einzelne
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